• Stefanie Burr

Die Welt, in der unsere Kinder leben werden


Liebes Leben,

was ist das für eine Welt. Manchmal denke ich, alles gerät aus den Fugen. Populisten gewinnen Wahlen, Extremisten hetzen gegen Andersdenkende, Terroristen reißen Menschen in den Tod. Immer, wenn wieder eine Horrornachricht durch die Medien geht, überfällt mich zunächst eine große Ohnmacht. Alles scheint so sinnlos. Ein wenig später denke ich an meine wunderbaren Kinder und entscheide mich für Zuversicht.

Denn auch wenn es im größten Weltschmerz nicht so scheint:

Wir haben zwar nicht alles in der Hand, aber sehr viel.

Deshalb ist es gerade jetzt wichtiger denn je, für die eigenen Werte einzustehen und sie unseren Kindern weiterzureichen. Dafür braucht es meiner Meinung nach vor allem drei Zutaten. Liebe, Vorbild und Dialog.

Frieden fängt zu Hause an

Liebe, Nähe, Geborgenheit und Verständnis sind der Nährboden für Kinder, die zu mitfühlenden, verantwortungsbewussten und starken Persönlichkeiten heranreifen. Die sich für Minderheiten stark machen und ihren Erfolg nicht auf dem Rücken der Schwächsten austragen.

Es ist unsere Aufgabe, die Welt jeden Tag ein wenig schöner zu machen. Nicht durch große Taten. Nicht allein durch Protest in den sozialen Medien, auf der Straße oder durch politisches Engagement. Die Kunst besteht für mich auch darin, den Frieden in den Dingen des Alltags zu suchen, zu finden und weiterzutragen.

Dem traurigen Kind die Hand zu halten, bis es eingeschlafen ist. Das offene Ohr und die offenen Arme nach einem Streit. Eigene Fehler auch gegenüber den Kindern einzugestehen und sich entschuldigen zu können. Eine Umarmung für den angespannten Partner. Respekt gegenüber einer anderen Meinung. Ein gutes Wort für die gestresste Kollegin oder ein Lächeln für die müde Kassiererin. Den Mund aufzumachen, wenn irgendwo etwas Ungerechtes geschieht oder die Kindersachen an die weiterzugeben, die es wirklich brauchen. Frieden steckt für mich aber auch in einem Strauß vom Wegesrand, im Krakelbild am Kühlschrank oder darin, die Kinder beim vertieften Spiel durch den Türspalt beobachten zu können.

Das politische Tagesgeschehen hingegen passt nicht in die Lebenswirklichkeit der kleinen Menschen. Dennoch bekommen auch sie besorgte Blicke und Gespräche mit. Mir ist es wichtig, das nicht als „Erwachsenenthema“ abzutun, sondern auch hier Haltung zu zeigen. So kann ich zum Beispiel mit einfachen Worten erklären warum ich es wichtig finde, dass auch Minderheiten gerecht behandelt werden. Ich kann erzählen, dass es mich bedrückt wenn Menschen gegeneinander kämpfen.

Dafür muss ich kein durch und durch politischer Mensch sein. Aber ich muss eine Haltung haben. Ich muss sie zeigen und authentisch vertreten. Unsere Kinder verstehen zum Beispiel sehr gut, dass wir einige Dinge nicht kaufen, weil sie unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden. Und nicht nur das. Sie stehen sogar dahinter.

Unsere Kinder werden in einer Welt leben, die wir zusammen mit ihnen jetzt gestalten.

Lasst uns gerade jetzt stark bleiben und sie gemeinsam noch schöner machen.

Dieser Text entstand nach der Nachricht, dass Donald Trump Präsident der USA wird.


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